Am Standort Eggenfelden der KJF Werkstätten gemeinnützige GmbH fand am 24. Juni 2026 ein besonderer Unternehmertag statt, an dem 16 Unternehmen/Einrichtungen aus der Region anwesend waren. Alle teilnehmenden Unternehmen/Einrichtungen sind bereits Kundinnen und Kunden der KJF Werkstätten oder arbeiten in unterschiedlicher Weise mit der Werkstätte für Menschen mit Behinderung (WfbM) zusammen.
Zu Beginn stand ein lockeres Ankommen im Vordergrund. Die Unternehmensvertreterinnen und vertreter nutzten die Gelegenheit, erste Gespräche zu führen, Kontakte zu knüpfen und sich auf den gemeinsamen Tag einzustimmen.
Im Anschluss erhielten die Gäste einen Rundgang durch die KJF Werkstätten Eggenfelden. Dabei wurden die verschiedenen Arbeitsbereiche durch die produktionsverantwortlichen Albert Schöfberger und Peter Eder sachkundig vorgestellt. Die Teilnehmenden bekamen einen Einblick in Arbeitsprozesse, Qualitätsstandards und die Vielfalt der angebotenen Dienstleistungen und Produkte. Besonders im Fokus standen dabei die individuellen Fähigkeiten der Beschäftigten, die professionelle Begleitung durch Fachkräfte, und die Bedeutung von sinnstiftender Arbeit für Teilhabe und Lebensqualität.
Die Führung zeigte, wie wichtig verlässliche Aufträge der Unternehmen für die Beschäftigten sind und wie eng wirtschaftliche Kooperation und sozialer Auftrag miteinander verbunden sind.
Es folgte ein kurzer Überblick zur Entwicklung und Struktur der KJF Werkstätten; heute ein moderner und inklusiver Arbeitgeber. Ein Schwerpunkt lag auf dem gesetzlichen Auftrag der Werkstätten: Menschen mit Behinderung sollen bestmöglich am Arbeitsleben teilhaben können. Arbeit ist hierbei ein zentraler Schlüssel zur Inklusion. Im Zentrum der Informationsveranstaltung stand die Präsentation des neuen Berufswegezentrums (BWZ), vorgestellt von der Inklusionsbegleitung Stephan Stapfer. Es werden Menschen mit Behinderung dabei unterstützt, ihren individuellen Berufsweg zu gestalten – sei es innerhalb der Werkstätte oder mit dem Ziel eines Arbeitsplatzes auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Das BWZ bildet somit eine wichtige Brücke zwischen WfbM und Unternehmen.
Thomas Mayr, Produktionsleitung der Linder Group in Arnstorf, stellte in seinem Vortrag die aktuell acht ausgelagerten Arbeitsplätze im Produktionsbereich vor. Er berichtete, dass die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert und die Beschäftigten ihre Stärken an den Arbeitsplätzen gezielt einbringen können. Die Beschäftigten können in einem betriebsnahen Umfeld arbeiten und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln. Im Gegenzug nutzt die Lindner Group die zuverlässige Arbeitsweise und die besonderen Stärken der Beschäftigten für ihre Produktionsprozesse.
Alfred Bauer, Einrichtungsleitungsleitung des BRK Seniorenwohn- und Pflegeheim Wurmannsquick, beschreibt den ausgelagerten Arbeitsplatz, der von einem Mitarbeitenden mit Behinderung ausgeübt wird. Seine fröhliche und offene Art wirkt sehr mitreißend auf Bewohnerinnen, Bewohner und Kolleginnen sowie Kollegen. Diese positive Ausstrahlung und Offenheit werden von allen als große Bereicherung für den Betrieb erlebt. Auch Personen, die zu Beginn eher skeptisch waren, haben ihre Haltung inzwischen verändert. Sie berichten, dass sie den Mitarbeitenden und seine Arbeit heute als klaren Gewinn für das Team und das Zusammenleben im Altenheim sehen. Durch diese beiden Erfahrungsberichte wurde insgesamt deutlich, dass das Modell der ausgelagerten Arbeitsplätze erfolgreich ist und zu einer positiven Entwicklung für alle Beteiligten beiträgt und wie inklusives Arbeiten den Alltag eines Betriebs spürbar positiv beeinflusst.
Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung des Werkstattrates. Der Werkstattrat ist die Interessenvertretung der Beschäftigten in der WfbM. Er setzt sich für gute Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und Teilhabe ein und bringt die Perspektive der Menschen mit Behinderung in Entscheidungen ein, die ihren Alltag in der Werkstatt betreffen. Die Unternehmensvertreterinnen und vertreter erhielten dadurch einen direkten Einblick in gelebte Selbstvertretung sowie demokratische Strukturen innerhalb der KJF Werkstätten. Im Anschluss richteten Landrat Martin Koppmann sowie Monika Haderer, die 3. Bürgermeisterin Eggenfeldens ihre Grußworte an die Anwesenden. Sie betonten die Bedeutung der KJF Werkstätten für die Region und die Verantwortung von Politik, Unternehmen und sozialen Einrichtungen, Inklusion gemeinsam zu gestalten. Die Grußworte unterstrichen, dass Kooperationen mit der WfbM nicht nur wirtschaftlich sinnvoll sind, sondern auch ein wichtiges Zeichen für gesellschaftliche Verantwortung darstellen.
Zum Abschluss verlagerte sich das Geschehen ins Außengelände der Werkstatt. In lockerer Atmosphäre kamen die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch. Beim Kennenlernen und Netzwerken wurden Möglichkeiten weiterer Zusammenarbeit ausgelotet, neue Auftrags- und Projektideen besprochen und Perspektiven für inklusives Arbeiten entwickelt.
Ein besonderes Thema war die Frage, wie Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt geschaffen oder ausgebaut werden können. Viele Unternehmen zeigten sich offen für Praktika, Außenarbeitsplätze oder feste Anstellungen mit entsprechender Unterstützung.
Der Unternehmertag in den KJF Werkstätten Eggenfelden machte deutlich, wie wertvoll der direkte Dialog zwischen Werkstatt, Unternehmen und Politik ist. Er stärkte bestehende Kooperationen, eröffnete neue Chancen für Aufträge und setzte ein klares Zeichen für gelebte Inklusion in der Arbeitswelt.
Text: Melanie Mettner
Foto: KJF Werkstätten