Gemeinsam arbeiten, voneinander lernen
Gemeinsam arbeiten, miteinander ins Gespräch kommen und neue Perspektiven gewinnen: Beim bundesweiten Aktionstag „Schichtwechsel“ tauschten in den Straubinger Werkstätten St. Josef elf Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und sozialen Einrichtungen für einen Tag ihre gewohnte Arbeitswelt gegen den Werkstattalltag.
Mit dabei waren Vertreterinnen und Vertreter von BMW, der Stadtbibliothek, dem Caritasverband und den Stadtwerken Straubing. Zudem nahmen IHK-Vizepräsidentin Katharina Venus, Stadtrat Artur Christmann, Alexander Schießl von der Wirtschaftsförderung Straubing und Stadtwerke-Geschäftsführer Günter Winter am Schichtwechsel teil.

Die Gäste schauten dabei nicht nur zu, sondern arbeiteten aktiv mit, führten Gespräche und lernten die Menschen hinter den Arbeitsplätzen kennen. Schnell wurde deutlich: Der Schichtwechsel ist weit mehr als ein Perspektivwechsel für einen Tag. Er schafft Begegnungen, baut Berührungsängste ab und zeigt, wie viel Menschen aus unterschiedlichen Arbeitswelten voneinander lernen können.

Werkstattarbeit hautnah erleben
Nach einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung und einer Führung durch die Werkstätten tauchten die Gäste direkt in den Arbeitsalltag ein. Unterstützt von ihren Patinnen und Paten aus den Reihen der Beschäftigten arbeiteten sie in verschiedenen Abteilungen mit, stellten Fragen und erhielten Einblicke in die vielfältigen Aufgabenbereiche der Werkstätten.
Dabei wurde schnell sichtbar, wie abwechslungsreich, anspruchsvoll und verantwortungsvoll die Arbeit ist. Die Besucherinnen und Besucher erlebten aus nächster Nähe, mit welcher Sorgfalt, welchem Engagement und welcher Fachkompetenz die Beschäftigten ihre Aufgaben erfüllen. Viele ließen sich Arbeitsabläufe erklären und profitierten vom umfangreichen Wissen ihrer Gastgeberinnen und Gastgeber. So wurde deutlich, mit wie viel Erfahrung, Fachwissen und Verantwortungsbewusstsein die Beschäftigten ihre Aufgaben erfüllen.

Begegnungen auf Augenhöhe
Besonders wertvoll waren die vielen persönlichen Gespräche im Laufe des Tages. Bei der gemeinsamen Reflexion am Nachmittag machten die Rückmeldungen von Gästen und Beschäftigten deutlich, wie viele Begegnungen auf Augenhöhe entstanden waren.
Es wurde gemeinsam gearbeitet, gelacht und über unterschiedliche Erfahrungen im Berufsalltag gesprochen. Genau diese Momente machen den Schichtwechsel so besonders. Sie fördern gegenseitiges Verständnis, schaffen Wertschätzung und zeigen, wie bereichernd der Austausch zwischen Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen sein kann.
Auch Beschäftigte entdecken neue Arbeitswelten
Nicht nur die Gäste sammelten neue Erfahrungen. Gleichzeitig nutzten sieben Beschäftigte der KJF Werkstätten die Gelegenheit, andere Arbeitsorte kennenzulernen. Die Austauschplätze führten sie zur Leibl Vermietung und Verpachtung, in das BMW Dynamikzentrum Dingolfing, in das AWO Haus für Kinder „Stuwi“ und in die Stadtbibliothek Straubing. Ein weiterer Austausch bei der Flowerbox findet im Nachgang des Aktionstags statt.
Die Beschäftigten wurden an allen Einsatzorten herzlich aufgenommen. Sie erhielten Einblicke in neue Tätigkeitsfelder, lernten unterschiedliche Arbeitsabläufe kennen und konnten sich in einem anderen beruflichen Umfeld ausprobieren. Für viele war dies eine besondere Gelegenheit, neue Erfahrungen zu sammeln, Selbstvertrauen zu stärken und den eigenen Horizont zu erweitern.
Gleichzeitig bot der Austausch auch den beteiligten Unternehmen und Einrichtungen die Möglichkeit, die Potenziale inklusiver Zusammenarbeit kennenzulernen. Der persönliche Kontakt eröffnete neue Perspektiven für Praktika sowie ausgelagerte Bildungs- und Arbeitsplätze und legte damit den Grundstein für mögliche künftige Kooperationen.

Inklusion gemeinsam erleben
„Heute wollen wir die Arbeit in den Mittelpunkt stellen. Es geht um Anerkennung und Wertschätzung für die Arbeit in unseren Werkstätten“, betonte Evi Feldmeier, Geschäftsführerin der KJF Werkstätten.
Der Aktionstag zeigte eindrucksvoll, wie Inklusion durch persönliche Begegnungen wächst. Wo Menschen gemeinsam arbeiten, miteinander sprechen und voneinander lernen, entstehen Verständnis, Respekt und Vertrauen.
Das Fazit aller Beteiligten fiel entsprechend positiv aus: Der Schichtwechsel bringt Menschen zusammen, baut Barrieren ab und macht sichtbar, wie bereichernd Vielfalt in der Arbeitswelt sein kann. Viele der Beteiligten gingen mit neuen Eindrücken nach Hause. Noch wichtiger waren jedoch die Begegnungen, die entstanden sind. Denn genau dort beginnt Inklusion: wenn Menschen miteinander arbeiten, miteinander sprechen und einander kennenlernen.

Text: Michaela Huber
Fotos: Mario Franz